Für alle die sich fragen, wie es weitergeht: Umleitung…
Januar 20, 2012
… zu meinem aktuellen Blog. Diesmal vermutlich endgültig, weil das Format einfach besser passt.
http://nomadicpursuit.tumblr.com/
Liste erprobter Transportmittel
November 26, 2011
- Autoriksha
- Stadtbus – Ein- und Ausstieg “on the fly”
- Metro
- Fahrradriksha
- Hyundai, der nur anspringt wenn man zuvor Wasser über den Motorblock schüttet
- Royal Enfield – yeah! – und diverse andere Motorräder
- Volvo-Nachtbus – mit und ohne funktionierende Klimaanlage
- Auto mit eigenem Fahrer
- Boot
- Füße
- Nachtzug 2nd AC und 3rd AC, mit und ohne Kakerlaken
- Fahrrad – Dank sei dem Panzerklebeband
- Gepäckträger im Local Train, General Class
- Boden im Sleeper von Jhansi nach Delhi… zu vermeiden.
- Pantry-Car (Küchenwaggon) im Jhelum Express von Jammu nach Pune, weil Platzmangel in der General Class – gratis Frühstück inklusive
- Ladefläche eines Kleintransporters
- Gepäckträger einer Shared Riksha (Tempo) mit etwa 12 Leuten zuviel an Bord
to be continued…
Politisiert Indien?
Oktober 29, 2011
Anfangs hat man keine Wahl, als bestimmte Eindrücke aufzunehmen, ohne sie an sich heranzulassen. Man versucht offen zu sein, zurechtzukommen, sich anzupassen. Man beobachtet, staunt und lernt.
Das Gefühl der völligen Absurdität, als ich nach etwa 10 Tagen hier in Delhi das erste Mal eine Mall betreten habe, wurde in der Zwischenzeit von vielen anderen Eindrücken überlagert. Aber das Gefühl bleibt unterschwellig vorhanden, und ich will es auch nicht vergessen.
Die Bilder von hunderten von Menschen, die auf der Straße schlafen, unter den Brücken leben, von Wäsche, die auf Zäunen inmitten vierspuriger Highways trocknet, von Kindern die zwischen Hunden und Schweinen im Müll graben, von Bettlern ohne Gliedmaßen passen nicht zu dieser anderen Welt der Mall, die gleichzeitig existiert (und die uns zu allem Überfluss soviel vertrauter ist…).
Dennoch ist es so einfach, viel zu einfach, sich an alles zu gewöhnen. Diese zwei Realitäten zu akzeptieren und einfach damit zu leben, ohne sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen – was kann man schon tun? Die Menschen die ich hier kennengelernt hab, die Business machen, denken auch nicht weiter darüber nach. Es ist einfach wie es ist. Und wenn man es hier zu etwas bringen will, muss man diese andere Realität und das ganze System der Abhängigkeit zwischen arm und reich nicht nur hinnehmen, sondern es sich sogar zu Nutze machen.
Anfangs macht der Kopf zu. Man kann schließlich nicht über etwas urteilen, was man nicht kennt und nicht versteht. Auch nach mehreren Monaten in Delhi kann und will ich nicht urteilen. Aber je länger ich hier bin, desto mehr sträube ich mich dagegen einfach über Dinge hinwegzusehen. Je länger ich hier bin, desto mehr will ich hinsehen. Nicht nur Gestalten unter den Brücken sehen, sondern Menschen.
Je länger ich hier bin, desto mehr wird mir bewusst in was für einem wahnsinnigen Dilemma Indien steckt. Natürlich kann man diese Dinge überall nachlesen, aber sich hier zu bewegen und zu leben vermittelt ein anderes Verständnis davon.
Der stärkste Kontrast ist der Gegensatz zwischen arm und reich, aber auch dieser ist nicht schwarzweiß. Alles hier basiert auf einem komplexen Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten, ungeschriebenen Regeln und allgegenwärtiger Korruption. Wie ein Freund es mir beschrieben hat:
“Imagine this situation of 1,2 billion people in a european state, in France or Germany; it would probably collapse because people would start killing each other. In India, people need each other. And they know it.”
Versteht man die Verflechtungen, kann man diese nutzen – zum Guten oder zum Schlechten. Moral als Kategorie macht hier allerdings wenig Sinn. (Ist das noch Demokratie?)
Momentan boomt beispielsweise die Kunstszene in Indien. Jungen zeitgenössischen Künstlern und Künstlergemeinden fließt das Geld nur so zu. Bewertet man das nun positiv oder negativ, wenn man weiß, wo dieser Boom herrührt? Nämlich davon, dass sich hier ein Schlupfloch für Unternehmer auftut, die ihre Steuergelder lieber selbst behalten wollen? Eine Spende hier, eine Spende dort… Profitmaximierung unter dem Deckmantel des Mäzens.
Das anfängliche Staunen über den Grad der Politisierung an der Uni ist jedenfalls schon lange verflogen. Linksextremismus ergibt sich hier einfach aus den Lebensumständen. Wobei ich nicht denke, dass Schwarzweißmalerei – ob nun kapitalistisch oder marxistisch – irgendetwas an der Situation ändern wird.
Mir stellt sich einfach die Frage: Gibt es für den Wohlhabenden irgendeine andere Möglichkeit, als
a) die Situation hinzunehmen, sein Gewissen abzuschalten und sich um sich selbst zu kümmern
b) sich für seinen Wohlstand zu schämen und soviel davon an andere abzugeben bis man wieder mit sich selbst leben kann?
Gibt es einen Mittelweg zwischen Ignoranz und Scham?
Disorientation
Oktober 29, 2011
Every road in Delhi has a name, like Aurangzeb Road, or Humayun Road, or Archbishop Makarios Road. And no one, masters or servants, knows the name of the road. You ask someone, ‘Where is Nikolai Copernicus Marg?’
And he could be a man who lived on Nikolai Copernicus Marg his whole life, and he’ll open his mouth and say, ‘Hahn?’
Or he’ll say, ‘Straight ahead, then turn left,’ even though he has no idea.
And all the roads look the same, all of them go around and around grassy circles in which men are sleeping or eating or playing cards, and the four roads shoot off from that grassy circle, and then you go down one road, and you hit another grassy circle where men are sleeping or playing cards, and then four more roads go off from it.
So you just keep getting lost, and lost, and lost in Delhi.
Aravind Adiga, ‘The White Tiger’
Kindheitsträume
Oktober 23, 2011
Seit ich hier in Indien bin haben sich schon so einige Dinge eingestellt, von denen ich wusste dass sie sich irgendwann erfüllen. Nicht dass ich jetzt esoterisch werde, es ist eher Walter Benjamins Begriff der “critical constellation”, mit dem ich mich gerade auseinandersetze, der ziemlich gut auf das Gefühl passt das sich hier manchmal einstellt. Typologie quasi. Etwas Vergangenes deutet voraus in die Zukunft und erfüllt sich in einem spezifischen Moment der Gegenwart. In einer spezifischen Konstellation in der Vergangenheit und Gegenwart kollidieren, die Gegenwart sozusagen ein Fenster in die Vergangenheit öffnet und beide für einen Augenblick ununterscheidbar werden. In einer Monade.
Und damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass Gegenwart und Vergangenheit hier in Delhi sowieso ständig gleichzeitig präsent sind.
Wie auch immer, ich hab mir einen weiteren Kindheitstraum erfüllt und bin allein in den Himalaya gefahren, zum Exilregierungssitz des Dalai Lama. Weil ich faul bin, hier die Kopie der Email an meine Mama:
hab im bus einen tibeter kennengelernt, der seit 10 jahren in luzern wohnt. der hat mich mit zu seinen freunden genommen, die in frankreich wohnen aber grade in indien sind um ihre verwandten zu pflegen. die beiden frauen sind tänzerinnen, die um die ganze welt gereist sind mit dem tibetan institute of performing arts, einem kulturellen zentrum für tanz und theater.
es hätte eine aufführung stattfinden sollen, zu der ich auch eingeladen war – sie wurde abgeblasen, weil in der nacht bekannt wurde dass die chinesen wieder sechs mönche getötet haben. alle haben getrauert und sind zu protesten auf die straße gegangen anstatt zu tanzen, verständlicherweise.die ganze stadt schwirrt vor tibetern, überall mönche und nonnen und gebetsfahnen.
weil es den tibetischen leuten im exil in erster linie darum geht, ihre kultur zu erhalten, finden überall kulturelle veranstaltungen statt. es gibt einen haufen nichtregierungs-organisationen, kulturcafés, museen, freiwilligen-workshops, etc.die neuankömmlinge aus tibet sprechen meist weder hindi noch englisch und haben schlimme erfahrungen gemacht, also gibt es ein ganzes netz an leuten und organisationen das versucht, sie aufzufangen, ihnen sprachunterricht zu geben und jobs zu beschaffen.
es ist sehr einfach dort für länger zu bleiben und sich freiwillig zu engagieren. gleichzeitig sind die zwei angrenzenden dörfer traveller-oasen voller israelis, cafés und günstiger guesthouses mit billigem internet, wo sehr viele leute (meist israelis) ebenfalls länger bleiben, weil es sich dort gut arbeiten lässt.
man kann abends nebenher in einem der cafés jobben und kriegt dafür freie kost und logis, oder zahlt eben sehr wenig für die unterkunft. internet ist oft umsonst, es gibt räume voller gitarren und dvd’s, wo man abends rumliegen und filme gucken kann. tagsüber kann man auf der dachterrasse in der sonne sitzen, um einen herum die berge, kühe und ziegen, und schreiben oder arbeiten. da sind viele journalisten, webdesigner, software-programmierer – alles eben, wofür man nur einen laptop und internet braucht.
wenn einem das geld doch ausgehen sollte, bietet man einfach einen kurs an in etwas, das man besser kann als andere – gitarre spielen zum beispiel – und wenn zwei, drei leute mitmachen hat man wieder genug geld für die nächsten tage.wenn einem doch mal der sinn danach steht etwas sozial sinnvolles zu tun, kann man eine der vielen umwelt- oder flüchtlingsorganisationen unterstützen, die zum beispiel müllsammel-aktionen beim wasserfall veranstalten und das gesammelte altpapier zu kleinen notizbüchern weiterverarbeiten, die dann an touris verkauft werden und deren erlös wiederum den tibetern zugute kommt.
Sollte ich mal für ein paar Monate unauffindbar sein, wisst ihr schon wo ihr anfangen könnt nach mir zu suchen. Obwohl damit der ganze Sinn des Unauffindbarseins wieder ad absurdum geführt wäre… also bin ich dann vielleicht doch woanders.
Manchmal reicht ein Blog nicht aus…
Oktober 23, 2011
… oder es ist einfach ein experimentelleres Format vonnöten. Den anderen Blog muss man nicht verstehen, dafür ist er persönlicher und der Situation irgendwie angemessener. [Außerdem lädt tumblr Bilder irgendwie schneller hoch als das lahme wordpress]. Aber weil ich lernen muss, Dinge die ich einmal begonnen habe auch zu Ende zu führen, füttere ich den Blog hier mal wieder.
Und da ich gerade zum wiederholten Mal mit einer dicken Erkältung im Bett liege bietet sich das auch an.
Gespenster
Oktober 5, 2011
Gestern Nacht saß ich mit einem Freund auf der Dachterrasse seines Hostels und erzählte ihm von Zuhause. Als ich erwähnte, dass ich daheim öfters allein mit dem Fahrrad durch den Wald fahre, sah er mich ungläubig an.
- Das ist aber ganz schön mutig! Hast du keine Angst allein im Wald?
- Das ist nicht so wie in den Wäldern von Bihar, wo dir Räuberbanden auflauern. In Deutschland kann man schon mal allein durch den Wald fahren.
- Ich meine nicht wegen der Menschen, sondern wegen der Gespenster.
- Du glaubst an Gespenster?
- Ja… du nicht? Wenn ich an Gott glaube, glaube ich auch an Gespenster.
- Im Christentum ist das anders. Wenn man an Gott glaubt, kann man nicht gleichzeitig an Gespenster glauben. An Dämonen schon, aber nicht an Gespenster… der christliche Glaube lässt dafür keinen Raum. Man kommt entweder in den Himmel oder in die Hölle.
- Im Hinduismus gibt es auch Himmel und Hölle. Aber es gibt dennoch zwei Wege, wie man zum Gespenst werden kann: Jedem Menschen ist von Geburt an eine bestimmte Lebenszeit zugeteilt. Stirbt er früher als es ihm bestimmt ist, zum Beispiel durch einen Unfall, wandelt er so lange als Gespenst herum bis die Lebenszeit abgelaufen ist, die ihm ursprünglich zugestanden hätte.
Die zweite Art von Gespenstern sind Menschen, die fern von ihrer Familie gestorben sind und bei denen die letzten Rituale nicht durchgeführt werden konnten. Erfährt die Familie irgendwann von dem Tod des Angehörigen, führt sie die Rituale durch und erlöst den Toten von seinem Gespensterdasein.
- Wie erfährt die Familie, dass sie ein Gespenst hat?
- Der Tote erscheint einem Familienangehörigen im Traum, oder er begegnet einem wenn man allein ist – am Flussufer, im Wald, in den Bergen. Darum würde ich nicht allein in den Wald gehen… An solchen Orten gibt es außerdem Seelen, die umherwandern. Vor allem in den Bergen.
- Was ist der Unterschied zwischen Gespenstern und Seelen?
- Seelen wollen dir grundsätzlich nichts Böses. Manchmal sind Seelen auch lokale Gottheiten, die angebetet werden. Aber Gespenster bereiten dir Schwierigkeiten.
- Und wie unterscheidet man eine Seele von einem Gott?
- Gottheiten werden angebetet. Seelen sind manchmal auch da, ohne dass sie angebetet werden. Sie manifestieren sich auf verschiedene Weise – es können Tiere sein, die dir erscheinen, aber auch Bäume oder Steine… im Grunde kann alles zu einer Gottheit werden, wenn es stark genug angebetet wird.
Sarnath
Oktober 5, 2011
Campus
Oktober 4, 2011
Bin über eine nette Slideshow vom Campus gestolpert. Klickt auf “Campus at a glance” und bewundert die Vegetation.


